Mittwoch, 31. März 2010

Krise: Schweizer Post verkauft Briefkästen an Bürger-Betreiber

«Mitmachen kann jedermann !» meinte Verwaltungsratspräsident Peter Hasler auf dringende Anfrage. «Nachdem der Gewinn der Post um 12 % zurückging, das Leeren der Briefkästen vorerst an Tagelöhner, Kurierfirmen und Taxidienste übertragen wurde, ergreifen wir nun ein weiteres Instrument zur Kosteneinsparung: Die Post verkauft ihre gelben Briefkästen an die Bürger.»

Bürger an die Kästen !

Regulärer Briefkasten mit Post-Logo
Die Post habe schon immer grosses Vertrauen ins Volk gehabt, nun sei der Zeitpunkt gekommen, um ihm das konkret zu zeigen, erläuterte Hasler weiter. Zudem habe man am Beispiel der Aktion «Teer muss her» des thüringischen Dorfes Niederzimmern gesehen, dass solche Vorgehensweisen durchaus Erfolg hätten.
 
Wir erinnern uns: Niederzimmern in Thüringen hatte nach dem harten Winter ein zu schmales Budget, um die vielen Schlaglöcher zu flicken. Um zu Geld zu kommen, verkauft die Gemeinde noch immer laufend Schlaglöcher. Die Käufer erhalten zum Dank eine Plakette in der aufgefüllten und neugeteerten Fläche.
 
 
Peter Hasler informierte weiter, die Schweizer Post habe die Idee mit dem Verkauf der Briefkästen an die Bürger schon vorletztes Jahr mit Herrn Bundesrat Moritz Leuenberger besprochen, der das Projekt als «bürgernah und volksverbindend» abgesegnet hätte. So stehe einer sofortigen Realisierung nichts mehr im Wege.

Organisation

Ab Donnerstag, 01. April 2010 um 06:00 Uhr kann sich jeder Schweizer Bürger einen Briefkasten erwerben. Da es aufgrund der grossen Streuung der montierten Objekte keine Verkaufsstände gibt, bestehen zur genauen Standortwahl die folgenden Möglichkeiten:
  1. Der Bürger begibt sich zum Briefkasten, den er gerne erwerben möchte, ruft die Nummer 0848 888 888 an und teilt den genauen Standort mit. Innerhalb weniger Minuten wird ein sog. Briefkasten-Betreiber-Agent vorbeikommen, um alle notwenigen Schritte zum Abwickeln des Kaufvertrags vor Ort einzuleiten.
  2. Der Bürger begibt sich zur nächsten Poststelle, teilt den genauen Standort am Postschalter mit. Bei grossem Andrang werden Spezialschalter eröffnet.
Wichtiger Hinweis:
Die Aktion findet bei jeder Witterung statt.
Bei mehreren Käufern für dasselbe Objekt entscheidet das Los.
Stehen Sie am Ersten also zeitig auf, und bringen Sie eine Portion Glück mit!

Preise

Die Kaufpreise der Briefkästen inklusive Kleinmaterial bewegen sich zwischen sfr. 1'500.- bis 50'000.-
Sie richten sich je nach Frequentierung des Briefkastens und der jeweiligen Briefmenge. Die Staffelung wurzelt in langjährigen Erfahrungen.
Für die Leerungen werden die Briefkastenbetreiber von der Post mit einem Entgelt entschädigt, das sich nach der Postmenge richtet.

Global-Information

«Ein guter Briefkasten-Betreiber ist fleissig und zuverlässig», beschreibt ihn Verwaltungsratspräsident Peter Hasler, «er arbeitet mit Freude, ist pünktlich und stolz, die grosse Verantwortung für die Post zu tragen.»
 
Der Briefkasten-Betreiber hat die Möglichkeit, seinen Kasten individuell zu gestalten.
 
Individuelle Gestaltung
Das Feld für die Leerungen
Die Post empfiehlt Leerungszeiten und übergibt dem Betreiber das Feld (Aluminium) zum Einrichten der Daten. Sowohl Grösse als Ort auf dem Kasten sind werden von der Post festgesetzt.
 
Platz zum Anbringen des individuellen Betreiber-Logos.
 
Gewünschte Verzierungen
Empfehlung: Bleiben Sie bei einfachen Darstellungen.
 
 

 
Die Leerungen
Das Feld für die Leerungen ist für die Kunden das A und O der Briefpost schlechthin.
 
Ist es mal fachmännisch angebracht, wirkt ein Briefkasten enorm professionell.
 
Für den privaten Briefkasten-Betreiber bedeutet es das Mass aller Dinge: Die Postkunden verlassen sich voll darauf, und je genauer der Briefkasten-Betreiber arbeitet, je näher steht er dem «Swiss Citizen Postbox Award», der von jetzt an jährlich in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen verliehen wird.
 

 
Logo und Verzierungen
Ein fertig eingerichteter Briefkasten kann etwa so aussehen.
Vergessen Sie nicht: Die Leistung zählt.
 
Nun wünschen wir Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihren verantwortungsvollen Dienst am Schweizer Volk.
 

Kommentare:

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

konnte zwei exemplare erstehen. habe gleich noch verkaufsautomaten für sondermarken (expressleerungen) angefügt. die sonderbriefmarken sind zusätzlich zur ordentlichen marke anzubringen und kosten 100 rappen. in der marke ist ein chip integriert, der beim einwurf einen sensor passiert, der bei mir zuhause sofort das signal zum ausrücken auslöst.

web.quantensprung hat gesagt…

@lupe
Wusst ich's doch: Du bist schlicht genial!
Ich habe Dich vorgeschlagen für den «Swiss Citizen Postbox Award».
Das Erfreuliche: SF Schweizer Fernsehen hat die Dich in die Liste der Grossen aufgenommen.
Ik lip Dir !

Briefkastenverkäufer hat gesagt…

Ein sehr interessanter Beitrag. Ich dachte erst das ist ein Witz....
Gruß der Briefkastenverkäufer